Neuer Rekord der Windenergieproduktion in der Schweiz

«Mit einer Produktion von 170 Millionen Kilowattstunden im Jahr 2024 hat die Windenergie in der Schweiz einen neuen Rekord erreicht», freut sich Nicolas Jonville, Verantwortlicher für die Westschweiz bei Suisse Eole. Damit entspricht die Jahresproduktion in etwa dem Haushaltsstromverbrauch der Einwohnerinnen und Einwohner der Städte Zug, St. Gallen und Neuenburg, also von über 150'000 Menschen. «Die Windkraft ist eine bewährte Technologie und für die Versorgungssicherheit im Winter unverzichtbar, wie die Studie Energiezukunft 2050 des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) bestätigt. Die Studie zeigt, dass die Variante ‚mehr Windkraft’ aus Systemoptik klar zu favorisieren ist. Je mehr Windkraft wir zubauen können, desto besser für die Stromversorgung!»

Nach dem ersten Betriebsjahr sind die Produktionszahlen der Windkraftanlagen von Sainte Croix, dem jüngsten Windpark der Schweiz, mit 20,1 Millionen Kilowattstunden bereits sehr vielversprechend. Obwohl die Anlagen zu Beginn des Betriebs wie üblich mehrmals abgeschaltet werden mussten, konnte dieses schöne Ergebnis erzielt werden. Nicolas Jonville stellt fest: «Wir sind jetzt dem ursprünglichen Ziel von 22 Millionen kWh Windstrom pro Jahr bereits sehr nahe.»

Komplementarität der erneuerbaren Energien

Nach einem sehr windigen Jahr 2023 war 2024 zwar ein gutes, aber nicht so aussergewöhnliches Jahr wie das Vorjahr. Wie bei der Wasserkraft und der Solarenergie ist auch die Produktion der Windenergie wetterabhängig. Nicolas Jonville erklärt: «Die Komplementarität der erneuerbaren Energien ermöglicht die Bereitstellung von Bandenergie: Irgendwo in der Schweiz gibt es immer Regen, Wind oder Sonne. Bei der Windkraft sind die Winde, mit denen die Rotoren Strom erzeugen, nicht überall gleich: Im Rhone- oder Rheintal sind es zum Beispiel vor allem thermische Winde, am Gotthard oder Gütsch oberhalb von Andermatt sorgt der Föhn für eine Rekordproduktion, während die Windräder im Jura sowohl von der Bise als auch von den Nordwinden profitieren.» Der Trumpf der Windenergie ist ihre Produktivität im Winter: Zwei Drittel der Windstromproduktion werden im Winter generiert, wenn die Produktion der Solarenergie sehr niedrig ist und auch die Wasserkraft weniger produziert als in der warmen Jahreszeit.

Die positiven Zeichen häufen sich

Das Jahr 2025 hat für die Schweizer Windenergie mit einem Paukenschlag begonnen: Im Januar aktualisierte der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) seine Studie Energiezukunft 2050, die die Bedeutung der Windenergie verdeutlicht. Darin führt der Verband aus, dass ein massiver Ausbau der Windenergie eine ideale Lösung wäre, um das Stromdefizit im Winter auszugleichen. Martin Schwab, Präsident des VSE: «Je mehr Windkraft wir zubauen können, desto besser für die Stromversorgung», (siehe Pressemitteilung von Suisse Eole >>). Am 9. Februar stimmte die Stadt Chur mit 83 Prozent Ja-Stimmen dem Bau einer zweiten Windkraftanlage zu, die zusammen mit der bestehenden Anlage 25 Prozent des Strombedarfs der Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde decken wird. Am selben Tag lehnten die Stimmberechtigten von Wetzikon mit 57 Prozent eine Volksinitiative ab, die einen Mindestabstand von 1000 Metern zwischen Windkraftanlagen und Wohnhäusern forderte (siehe Pressemitteilung von Suisse Eole >>).

Die Schweiz ist ein Windland!

In der Schweiz dreht sich der Wind also gerade zugunsten der Windenergie. Nach der Axpo im Jahr 2024 betonen nun auch die BKW und andere Stromversorger die Bedeutung der Windenergie in der Schweiz. In dieser Hinsicht wiederholt sich die Geschichte der Solarenergie: Jahrzehntelang hat das Mantra ‘die Schweiz ist kein Solarland‘ den Ausbau der Solarenergie ausgebremst. Mittlerweile haben wir den Rückstand auf unsere Nachbarn aufgeholt, Solarstrom deckte 2024 rund 10 Prozent unseres Stromverbrauchs. Suisse Eole und ihre Mitglieder hoffen, dass nun auch die Windenergie eine solche Entwicklung durchlaufen wird, denn mit einem Anteil der Windenergie von 0,3 Prozent an unserem Stromverbrauch im Jahr 2024 liegt die Schweiz noch weit hinter ihren Nachbarn zurück: Der Anteil der Onshore-Windenergie am Strommix liegt in Deutschland bei über 26 Prozent, in Frankreich bei 9 Prozent und in Österreich bei 13 Prozent. Der VSE hält eine Windenergieproduktion von 21 TWh, davon 15 TWh im Winter, für optimal, was etwa einem Drittel des derzeitigen Stromverbrauchs entsprechen würde. Durch die Nutzung der Windenergie erhöhen wir unsere Versorgungssicherheit; gleichzeitig schützen wir unser Klima, verbessern unsere Wettbewerbsfähigkeit und bewahren unsere Unabhängigkeit.

Quellen:

wind-data.ch

Suisse Eole 

Nach einem sehr windigen Jahr 2023 war 2024 zwar ein gutes, aber nicht so aussergewöhnliches Jahr wie das Vorjahr. Grafik: Suisse Eole

Windenergieanlage auf dem Gotthard.